Über Tristan Uth

«Wenn es einen Preis für künstlerische Extravaganz geben würde, dann würde Tristan Uth diesen mit einem Kilometer Abstand gewinnen. Keine Partitur, keine Hemmungen, es war eine Darbietung von dirigiertechnischer Extravaganz, die jedem ein Lächeln ins Gesicht zauberte» (www.4barsrest.com: Iwan Fox über den 3. Rang der AEW Brass Band Fricktal beim schweizerischen Brass Band Wettbewerb in Montreux 2015).

Leidenschaftlich, bunt, vielfältig und tiefgründig – Attribute, die den jungen deutschen Dirigenten Tristan Uth auszeichnen. Neben seiner Tätigkeit als Orchesterdirigent der gängigsten Orchesterformen (Sinfonieorchester, Symphonisches Blasorchester und Brass Band) widmet er seine Aufmerksamkeit dem eigenen Erschaffen von Musik als Komponist. Sein grösstes Ziel ist es, Musik als Einheitserfahrung für Ausführende und Publikum gleichermassen erlebbar zu machen.

Alles ist immer wieder neu – Es gibt nichts Neueres als den jetzigen Moment.

Bei Tristan Uth ist keine Probe wie die Andere, kein Konzert entspricht dem Vorherigen. Für ihn geht das Musizieren über das Einüben und perfektionieren technischen Zusammenspielens weit hinaus und stellt vielmehr eine Arbeit des Musikers am Bewusstsein für das Ganze dar.

«Die Probe ist eine gemeinsame Entdeckungsreise, welche mit dem Konzert ihren Höhepunkt erreicht. Wie stehe ich als MusikerIn oder als musizierende Gruppe im Verhältnis zum Ganzen? Das ist die Frage, welche wir in der Probe beantworten.»
(Tristan Uth)

Mit seiner begeisternden und motivierenden Art führt er den einzelnen Musiker in das eigene Erleben. Die Balance aus inspirierenden, bunten Erzählungen, seiner Klarheit in Wort und Zeichengebung sowie das Vertrauen, welches er den einzelnen Musikern schenkt, sind seine Erfolgsstrategien. Sie führen dazu, dass sich die Musiker im Miteinander, in der Musik, im Moment fallen lassen können. Dadurch wird aus dem Moment heraus authentische Musik geboren, die von Innen nach Aussen entsteht. Dies ist in den Konzerten spürbar.

«Im Konzert geht es um den Moment, die Atmosphäre mit dem Publikum, es spielt keine Rolle mehr was passiert, sondern das «Es» passiert. Wir lassen geschehen was geschieht und dafür haben wir geprobt. Loslassen und sehr bewusst wahrnehmen, dass wir gemeinsam musizieren. Staunen über die Energie der gemeinsamen Aufmerksamkeit. Jeder Ton, jeder Klang ist es wert gelebt und geliebt zu werden.»
(Tristan Uth)

Und das Ergebnis seiner «Jetztmusik»: Bewegte Musiker und ein begeistertes Publikum.

Wir brauchen einander, um der Musik zu dienen

Trotz seiner Extravaganz und energiegeladenen Dirigierweise tritt Tristan Uth stets mit großer Demut und Ruhe vor das Orchester. Nur im bewussten Miteinander von Komponist, Dirigent, Orchester und Publikum kann lebendige Musik entstehen.

«Stille ist es, die Musik ermöglicht. Nicht nur der Konzertsaal, sondern die Stille ist der Raum, in dem die Musik erklingt.»
(Tristan Uth)

Vorbereitung und Perfektion

Dass Tristan Uth neben seiner Begeisterungsfähigkeit und seinem Einfühlungsvermögen auch ein Meister der guten Vorbereitung und Perfektion ist, dies zeigen seine Erfolge beim Dirigentenwettbewerb des World Music Contest (WMC) in Kerkrade und beim renommierten «European Conductors Competition 2011» im schweizerischen Montreux (2011), bei denen er jeweils den 2. Preis erlangte sowie der 1. Preis am Certamen Internacional de Bandas de Musica 2015 in Valencia, Spanien, mit der Stadtmusik St.Gallen.

Denn um sich als Dirigent wirklich auf die Musik einlassen zu können, bedarf es der absolut perfekten Beherrschung der Partitur.

«Kennt der Dirigent jeden Winkel, jede kleinste Kleinigkeit in der Partitur, so wird es Ihm/Ihr möglich sein, weg von einer, aus eigenen Mustern bestehenden Idee, hin zur reinen Wahrnehmung dessen, was passiert zu gelangen. Damit gibt es meiner Sicht keine Interpretation mehr, sondern vielmehr eine konstante Hingabe im Moment des Entstehens. Man könnte es absolute Gegenwärtigkeit nennen.»
(Tristan Uth)

Musik, eine Vision

Die Vergangenheit lehrt uns, dass ständige Expansion für den Menschen keine Lösung ist. So sind alle Hochkulturen immerzu daran gescheitert, weiter und weiter zu expandieren. Dies betrifft nach Meinung von Tristan Uth auch die Musik. Wenn wir immer schneller, höher und lauter werden wollen, wird dies irgendwann nicht mehr gehen. Die Materie ist beschränkter als der Geist. Tristan Uth lässt sich von seiner unmittelbaren Erfahrung leiten. Er hat so für sich erkannt, dass es etwas Beständiges in uns Menschen gibt. Etwas, das von allen äusseren, materiellen Faktoren nicht, oder nur am Rande, berührt wird. So, glaubt er, gibt es auch eine Stimmung oder Schwingung, welche uns Menschen dabei hilft, über die beschränkte Wahrnehmung von gedanklichen Konzepten hinauszugehen, um in der Einheit des Seins reine Freude zu erfahren, ohne etwas zu wollen.

«Meine Vision ist es, ein Orchester zu dirigieren, welches die komplette Literatur in 432Hz (Kammerton a´) Stimmung spielt, da ich für mich erfahren habe, dass dies die absolut reinste und natürlichste Schwingung ist. Dazu brauche ich allerdings die modernen Blasinstrumente und das ganze Schlagwerk-instrumentarium in 432Hz Stimmung. Dies existiert noch nicht in dieser modernen Form und müsste erst neu gebaut werden. Für die Streicher stellt es keine große Herausforderung dar.»
(Tristan Uth)

Tristan Uth ist ein interessanter junger Musiker, Denker, Visionär und Philosoph, der mit seiner Musik und allen anderen Handlungen gerne den Menschen dient. Er möchte das Alte mit dem Neuen verbinden, Musik als Tor zum Sein im «Jetzt» für alle Menschen erfahrbar machen und die heilsame Kraft dieser Erfahrung teilen. Spielerisch, voller Staunen und Begeisterung geht er auf das Publikum und die Musiker zu. Er hat die Gabe, Menschen wirklich tief zu berühren, zu motivieren und zu begeistern.

Text: Nadja Steinbach, Nürnberg 2016